Nach längerer Pause mal wieder ein neuer, wirklich erwähnenswerter Post. QUEENSRŸCHE live – ein Punkt mehr auf der Liste meines Lebensplanes, den ich abhaken kann. Hier die ganze Story.

Tag 1 – Donnerstag, 26.06.2008
Letzten Donnerstag ging’s endlich nach Balingen zum Bang your Head Festival. Direkt nach Feierabend und weisdergeierwieviel Stunden fahrt kamen Volker und ich endlich im Metal-Camp außerhalb von Balingen an. Schon aus mehreren hundert Metern Entfernung schallte uns das beeindruckendste Getöse, dass die Schwäbische Alb wohl je gehört hat, entgegen. Verabredet waren wir mit anderen Kumpels, die auch dem gediegenen Krach verfallen sind. Das war wohl auch der Grund weshalb die Jungs unsere Telefonanrufe nicht gehört haben und wir den ersten Abend einen temporären Zeltplatz suchen mussten. Dank ein paar freundlicher Bayern haben wir recht schnell einen Platz zum Nächtigen gefunden. Also in der Dunkelheit schnell das Zelt aufgebaut, den Grill angeschmissen und die ersten Dosen Bier an den Start gebracht. Satt und mit der nötigen Bettschwere gings dann relativ unspektakulär in den Schlafsack.
Tag 2 – Freitag, 27.06.2008
Am nächsten Morgen dann das erste Problem. Man steigt um 8 Uhr verkatert aus der Dackelgarage, die Sonne blendet und am liebsten würde man erst einmal unter die Dusche. Doch duschen ist kein Metal und Wasser hatten wir sowieso nicht. Also beschränkte sich die Körperhygiene darauf aus den Tiefen des Rucksacks die Kaugummis und das Deo zu wühlen. Total verpeilt schaute ich über den Campingplatz um mich grob zu orientieren. Sonnenbrille und Kappe sorgten dafür, dass man meine schiefe Visage nicht sofort bemerkt. Die Dixies waren schnell erspäht und dort, wo wir am vorigen Abend das Bier wieder abgelassen haben, stehen auf einmal Zelte. Am besten nicht darüber nachdenken worauf wir die Nacht verbracht haben. Der Kaugummi hat nach ca. zwei Minuten seinen Zweck erfüllt und musste dem Bier weichen, welches mir Volker in die Hand drückte. Es kommt schon mal vor, dass ich um 8.30 Uhr das Letzte Bier trinke, aber das Erste ist es um diese Uhrzeit eher selten. Egal, wir sind ja nicht zum Spaß hier.
Während des zweiten Bieres klingelte Volkers Telefon. Jetzt wo wir wussten wo die Kumpels ihr Zelt aufgebaut haben war der Umzug nur noch Formsache. Noch schnell ein 20 liter Fass Tucher Weizenbier gekauft. Zu viert haben wir dieses Monster dann zu Bekannten aus Offenbach geschleppt. Mit dieser Fracht wären wir aber auch überall anders willkommen gewesen. Sehr geil für Festivals dieser Art eignen sich die Cool-Keg Fässer. Vollgestopft mit irgendeinem Chemie-Scheiss kühlt das komplette Fass auf Knopfdruck, innerhalb von 30 Minuten, auf trinkbare 7°C runter. Das Fässchen hat uns dann aber auch bis zum Nachmittag beschäftigt, als wir dann beschlossen zum Festivalgelände aufzubrechen.
Mittlerweile brannte die Sonne recht ordentlich bei gefühlten 35°C. Sich mit Sonnenmilch einzucremen ist kein Metal, also ließen wir’s. Oder war es einfach Nachlässigkeit? Die Quittung dafür sollte es dann am nächsten Tag geben. Angekommen am Festivalgelände bat sich dann auch ein Anblick, über den Volker und ich uns bestimmt noch lange Zeit lustig machen werden. Ein stockbesoffener Metal-Recke nur mit Kilt und Springerstiefeln bekleidet, lag zugedröhnt auf dem Asphalt und hielt ein Nickerchen in der Mittagsonne. Der Kilt war ungefähr bis zum Bauchnabel hochgerutscht und das Teil, was in der Regel verborgen ist, brutzelte munter in der Sonne vor sich hin. Da sich den Pimmel mit Sonnenmilch einzureiben schon gar kein Metal ist, wird sich der Kollege wohl später über einen heftigen Sonnenbrand ärgern. Das Thema Rumvögeln wird für ihn wohl auf diesem Festival nichts mehr geben.
Die erste Band, die wir gesehen haben war WHITE LION. Während dieses Acts haben wir eine echt schräge Metalschnalle kennengelernt. Tätowiert mit Totenköpfen, dauerquarzend und ausgestattet mit echt merkwürdigen Zahnlücken. Ich weis schon weshalb ich die Musik cool finde, die weiblichen Fans aber nicht. Wie kann man einerseits perfekt rasierte Beine aber andererseits einen Damenbart haben? Dies inspirierte mich zu dem Spitznamen Maxima Cavalera. Die weibliche Ausgabe des Ex-Sängers von SEPULTURA. Nennt mich ruhig oberflächlich, ist mir egal. Irgendwann nach WHITE LION und GREAT WHITE kamen dann ICED EARTH auf die Bühne und Maxima verschwand. Nach dem großartigen Auftritt ging es dann endlich mit QUEENSRŸCHE los. Die über 3stündige Show hat die Bezeichnung Metal-Oper verdient und hat wohl jeden gefesselt. Um uns herum waren die Leute am ausflippen oder am heulen. Normalerweise schere ich mich herzlich wenig um Choreographie und irgendwelche Bühnenaufbauten, aber der Auftritt QUEENSRŸCHE’s kann nur als großartig und wirklich rund bezeichnet werden. Nach den kompletten Alben Operation Mindcrime 1+2 wurden als Zugaben noch Empire und Silent Lucidity des Empire-Albums gespielt. Volker und ich waren uns einig. Das war ein wirklich perfekter Abend und die geilste Live-Performance, die wir je gesehen haben. Zurück im Metal-Camp gab’s dann noch ein paar Bier mit den Offenbachern. Der ganze Zeltplatz wurde aus allen Ecken mit feinster Mucke beschallt und so ließen wir den Abend ausklingen – müde, besoffen und glücklich.
Tag 3 – Samstag, 28.06.2008
Diesen Morgen fiel das frühe Aufstehen schon viel weniger schwer. Nur die Arme und der Nacken brannten wie die Hölle – eincremen ist halt kein Metal. Nach dem mittlerweile üblichen Ritual Kaugummi, Deo, Bier und dann noch ein Bier, schauten wir bei den Offenbachern vorbei um den weiteren Verlauf des Tages zu planen. Erstmal Frühstücken und dann Nachschub holen. Wir entschieden uns nach Balingen zu fahren (es gab tatsächlich noch jemanden, der fahren konnte) und im örtlichen Real Supermarkt ein paar 5 Liter Partyfässer zu holen. Wieder angekommen im Metal-Camp standen wir vor dem Problem, die Fässer zu kühlen. Die ersten Biere waren dann halt pisswarm und knallten dementsprechend. Die Sonne brannte an diesem Tag mit diesmal gefühlten 45°C. Selbst die aufgespannte Sonnenschutzplane schien die UV-Strahlung durchzulassen und brutzelte unsere geschundene Pelle weiterhin. Das war uns dann aber dank des warmen Bieres recht schnell egal. Irgendwann brachen wir zum Festivalgelände auf. Hier gab es dann Gottseidank wieder kühles Bier. Im weiteren Verlauf des Tages schränkte ich den Alkoholkonsum dann doch nach und nach ein. Schließlich musste ich am nächsten Tag die ganze Strecke zurück fahren. An diesem Tag waren mir die Bands total egal. Nach QUEENSRŸCHE konnten alle anderen nur verlieren. YNGWIE „weisdergeierwiedernamerichtiggeschriebenwird“ MALMSTEEN, SAXON und JUDAS PRIEST haben mich nicht wirklich vom Hocker gehauen, weshalb ich nach der ersten Stunde PRIEST zusammen mit ‘nem Kumpel die Biege gemacht und im Camp noch ein letztes Bier getrunken habe. Um Punkt 12 Uhr war ich dann in der Heia.
Tag 4 – Sonntag, 29.06.2008
Abreisetag – um 8 Uhr weckte mich der SLAYER-Song Raining Blood aus dem Nachbarszelt und ich quälte mich aus dem Schlafsack. Habe ich mich wirklich am Donnerstag das letzte Mal geduscht? Der Metaller gedeit bekanntlich im Dreck, aber so langsam wurde es wirklich eklig und das bisschen Wasser, das ich mir über den Kopf und ins Gesicht schüttete hat auch nicht wirklich weitergeholfen. Wurde allerhöchste Zeit nach Hause zukommen. Schnell waren der ganze Krempel zusammengepackt, ein paar Leuten Tschüss gesagt und wir runter vom Gelände. Angeblich sollten ab 10 Uhr verstärkte Polizeikontrollen durchgeführt werden. Die haben wir auch gesehen, konnten abr ohne Kontrolle passieren. Ich hätte uns angehalten, aber die Beamten haben an diesen Tagen bestimmt viel schlimmeres gesehen. Um 14 Uhr rum waren wir dann wieder in der Heimat.
Fazit: das geilste Musikevent seit langem. Balingen – nächstes Jahr bin ich wieder dabei.
wunderbar geschrieben. wie immer eigentlich (-:
ich habe mich sehr amüsiert, dankeschön
Von: piep am Juli 2, 2008
um 8:19
Ich habe mich zu bedanken!
War aber auch ein cooles Event. Das fördert die Kreativität ungemein
Von: printpro am Juli 2, 2008
um 12:10
du solltest dir mal überlegen als freier journalist zu arbeiten (-: oder deine erlebnisse bei nem magazin einreichen.
Von: piep am Juli 2, 2008
um 1:43
Ich habe auch schon drüber nachgedacht das Rockhard-Magazin anzuschreiben. Dann müsste ich allerdings den Maxima-Part zensieren bevor die Gute mir einen Schlägertrupp vorbeischickt
Von: printpro am Juli 2, 2008
um 2:31
hehe, ja, mach das doch mal.
zum nächsten fördervereinsausflug schreibst du den bericht!
Von: piep am Juli 2, 2008
um 3:36
Gerne
Von: printpro am Juli 3, 2008
um 1:09
oh, der Volker hat ja endlich keinen Balken mehr im Gesicht (-:
Son hübsches Kerlchen muss man doch auch sehen können!
Von: piep am Juli 7, 2008
um 8:38
Hab’s von ihm absegnen lassen.
Einfach so irgendwelche Bilder von irgendwem im Internet zu veröffentlichen riecht doch ein wenig zu sehr nach Ärger
Von: printpro am Juli 7, 2008
um 9:14
(-:
auf meinen RhEINKULTUR-Bildern war ja niemand so direkt zu sehen die hab ich mal so reingestellt.
Von: piep am Juli 7, 2008
um 9:38